 Die Handlung knüpft nahtlos an die Ereignisse der ersten Episode an. Nachdem Alyx und Gordon die Zitadelle der außerirdischen Combine zerstört haben, wird ihr Zug durch eine gewaltige Explosion in Stücke gerissen. Die beiden Helden überleben natürlich den Unfall und versuchen mit wichtigen Daten zum Unterschlupf des Widerstands durchzubrechen. Verfolgt von der gesamten Besatzer-Truppe geht es diesmal endlich auch außerhalb von City 17 zur Sache. Ein Antlion-Bau, lauschige Nadelwälder und verlassene Farmhäuser gehören diesmal genauso dazu, wie dunkle Gewölbe, Militäranlagen und Alien-Bauten. Auch die Gegnerpalette wurde aufgestockt. Sowohl die biomechanischen Hunter als auch die telekinetisch begabten Ratgeber sind eine echte Bereicherung für das Spiel. Während letztere nur in Zwischensequenzen auftauchen, sind die kleinen Brüder der großen Strider allgegenwärtig. Mit ihrer Größe von ca. zwei Metern und einem starken Energieangriff machen sie selbst Innenräume unsicher und verleihen dem Titel eine große Portion Unberechenbarkeit.  Außerdem wartet im Insektenbau der Antlions noch eine Kämpferform auf Euch, die mit ihrem vernichtenden Distanzangriff jedes Feuergefecht zur Herausforderung machen. Leider liefert Valve keine neuen Waffen zum Spielen und Herumexperimentieren ab. So muss man wohl oder übel mit den üblichen Verdächtigen, samt Gravitationskanone und Brecheisen, vorlieb nehmen. Im Gegenzug versprüht Valve über weite Strecken genau den Spielwitz, der schon Half-Life 1 zum Klassiker machte. Egal ob man Leitungen verlegt, Maschinen zusammen setzt, Tunnel verteidigt oder gigantische Brückenabschnitte ausbalanciert, immer wieder gibt es neue, aufregende Momente, die in Kombination mit den ergreifenden Storyeinlagen eine einzigartige Atmosphäre erzeugen. Von der restlichen Story darf man nicht zu viel verraten, denn sie macht einen Großteil der Faszination aus. Dank der vielen Wendungen und Überraschungen wird die Handlung nämlich zu einem packenden Erlebnis, das selbst kleine Rätsel und Sprungeinlagen mit Leben erfüllt. Alle Figuren sind miteinander verbunden und sprühen vor Charme. Die Vergangenheit und die Zukunft werden durch lockere Dialoge, witzige Anspielungen und – so schwülstig es klingt – „echte Gefühle“ zu einem stimmigen Gesamtbild verschmolzen. Wenn zum Beispiel der Vortigaunt süffisant erwähnt, dass es kein Loch gibt, aus dem „Der Freeman“ nicht schon einmal geklettert ist, kann man sich ein Lächeln einfach nicht verkneifen. Bei der Präsentation ist natürlich auch die zweite Episode über jeden Zweifel erhaben. Die Grafik-Engine mag zwar nicht mehr auf dem neuesten Stand sein, doch das Können der Valve-Designer macht das Spiel auch optisch zu einem echten Hingucker. Auch die Musikuntermalung lässt sich eher mit einer aufwändigen Hollywood-Produktion, als mit einem 08/15-Shooter vergleichen. Dank der sparsamen Hardware-Anforderungen können selbst Mittelklasse-PCs den Titel in ihrer ganzen Pracht präsentieren, ohne jemals unter 30 Frames pro Sekunde zu fallen – das nenne ich mal echte Massenmarkt-Kompatibilität.
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